Der alte Brunnen

 

Gedichte

Christian B. Hell

 

 

 

© Christian B. Hell, Lengerich 2001²

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Badende im Schlosspark

Der Tulp *

Ausschusssitzung *

Badende im Schlosspark von Schwerin *

In der Bücherei *

Stille Musik *

Ein wahrer Christ *

Der alte Brunnen *

Der alte Brunnen *

Die Schwarze im Moor *

Abschied *

Abendlied I *

Abendlied II *

Abendlied III *

Sonnenblume *

Land der Sonne *

Das Land, in dem die Schmetterlinge tanzen *

Traum *

Schwingungen *

Eine Hand voll Wasser *

Norddeutschland I *

Norddeutschland II *

Asylanten *

Asylanten *

Tschernobyl - Jahre danach *

wegwerfgedichte *

Leere Blätter *

Suchen *

Das Leben ist ja nicht nur Schau *

tausend jahre einsamkeit *

Was ist Glück? *

Die Bewohner eines Luftballons *

Treten *

Wenn ich könnte... *

Abfallgedichte *

Und das nicht nur zur Weihnachtszeit *

Bethlehem *

Weihnachten 1991 *

Weihnachten ist überall *

Die andere Seite von Weihnachten *

Maria hat ein Kind geboren *

O Tannenbaum, o Tannenbaum *

Herr Winter, Herr Winter *

Mitgebracht *

Die Entscheidung *

Lehrjahre sind ein Leben lang *

Einsteins Baby *

In unsrer Stadt *

Wie der Regen rinnt *

Als Gott der Herr *

Als Gott der Herr II *

Blick auf die Erde *

Wie der Regen rinnt *

Osterlied I *

Osterlied II *

Ein Funken der Ewigkeit *

Hinter allem ER *

Ich habe einen Bruder *

Abstreifen *

Was war am Anfang? *

Ich seh´ noch nicht *

Tauschen *

Du und ich *

Schwestern, Brüder *

Einmal... *

 

 

 

Badende im Schlosspark

 

 

Der Tulp

 

Ein Tulp steht einsam und allein

auf einer grünen Wiese.

Es muss ein Junggeselle sein,

er heißt nicht Anneliese.

Wie er nun heißt, verrät er nicht.

Er will ja keine Karten.

Er sagt: Geh Du mir aus dem Licht,

schließlich ist dies mein Garten.

Der Tulp, er ist sich selbst genug,

entrückt von allen andern.

Der Hagestolz dünkt sich sehr klug,

sieht er uns Menschen wandern.

Er denkt, ich steh hier, ich bin ich,

ein Tulp, das höchste Wesen.

Ich bin der Mittelpunkt, um mich

dreht sich, was du gelesen.

 

 

Ausschusssitzung

 

Es juckt in meinen Fingern,

wenn ich im Ausschuss bin.

Da redet man von Dingern

gibt Nichtigkeiten Sinn.

Ich schreib lieber Gedichte,

fühle mich dann erst wohl

und höre die Berichte,

dabei manchmal viel Kohl.

Ich denk an Dich mein Schätzchen,

wollt, ich könnt bei Dir sein.

Ich äß dann Deine Plätzchen

und tränke Deinen Wein.

Ich führ' auch gern zum Baden

hinaus zu Mutter Grün,

seh die behaarten Waden

und seh' die Rosen blühn.

Hier, in dem Sitzungszimmer

liegt vieles auf dem Tisch.

Jedes Mal wird es schlimmer;

bei Dir blüh'n Blumen frisch.

 

 

Badende im Schlosspark von Schwerin

 

Du schönes Kind,

fast hätt' ich mich in dich verliebt,

auch wenn dann einer fragt,

ob's bei mir piept.

Du bist zum Baden in dem See bereit,

streifst über deinen schlanken Körper

schon dein Kleid.

Doch leider bist aus Bronze

du und stumm.

Ich such zum Baden eine andre mir,

und dreh mich lieber um.

Verschenk dein eingefroren Lächeln,

bleibe stehn,

ich wend mich zu den Lebenden -

und tschüß,

ich will jetzt geh'n.

 

 

In der Bücherei

 

Manche sind schon lange meine Freunde,

andre werden immer Fremde bleiben. -

Hinter bunten Bücherrücken

ungeles'ne oder ausgeliehene Gedanken,

stets gerichtet streng in Reih und Glied

nach der Büchereiensystematik,

deckelschmiegend mit dem Nachbarn,

den bei Lebzeiten sie nie gekannt.

Nur nachts werden sie lebendig,

wenn wir schlafen, du und ich,

sie erzählen dann von sich

lassen den Gedanken ihren Lauf,

die am Tage zwischen Deckeln

eingesperrt.

 

 

Stille Musik

 

Musik wird störend oft empfunden,

weil sie mit Geräusch verbunden,

so spricht mancher Thor

und stellte sich vor:

Wenn das ganze Orchester

nur Pausen übte, immer nur Pausen

und sie aneinander reihte,

oder wenn ein Chor,

man stelle sich das vor,

ein ganzes Konzert nur aus Pausen brächte

und jedermann dächte:

Das ist wahre Kunst, das ist Musik,

leise und still,

so wie ich es will,

Ja, dann könnte sogar ich

bei den Dingen

mitsingen.

 

 

Ein wahrer Christ

 

Ein Christ, der seinen Heil'genschein

gebückt und voller Demut trägt,

zerknirscht die Sünden auswärts wendet,

was ihm sehr auf die Seele schlägt,

der ärgert sich, wenn and're Christen

recht fröhlich ihrer Wege geh'n.

Er würd' sie gern mit Trauerzwiebel

und hochgeschlossen leben seh'n.

Seine Devise nämlich ist:

Wer fröhlich lächelt, ist kein Christ.

 

 

 

Der alte Brunnen

 

 

 

Der alte Brunnen

 

Längst

ist sein Wasser

versunken,

im Sand, in der Tiefe,

dort,

wo einst

ein Kind ertrunken.

Holunder

wirft seinen Schatten,

Eidechsen und Ratten

huschen umher.

Sonnenschein

und

Vergänglichkeit

weht

wie ein Hauch.

 

 

Die Schwarze im Moor

 

Hörst du das Rufen

vom Moor, vom Moor?

Die Schwarze ist es, sieh dich vor!

Sie ruft die Menschen in ihr Schloss,

versunken ist manch Reiter, manch Ross,

bei der Schwarzen im Moor.

Hörst du das Rufen

aus ihrem Reich?

So komme schneller, komme gleich!

Und mancher folgte, als sie rief.

Versunken ist er so tief, so tief

bei der Schwarzen im Moor.

Hörst du das Rufen

aus dunkler Welt?

Sie hasst das Licht, das vom Himmel fällt.

Der Sonne Strahlen siehst du nicht

bleib hier, bleib hier, verirr dich nicht

zu der Schwarzen ins Moor.

 

 

Abschied

 

Abschiednehmen:

wie auf einem Bahnhof,

vor der Abfahrt.

Bist du sicher,

wohin dein Weg dich führen wird

und was dich erwartet?

Auf jeden Fall wird sich

die Landschaft ändern

und die Menschen.

Aber du

nimmst dich selbst

immer mit.

Gefahr oder Chance?

 

 

Abendlied I

 

Der Wind streicht leise

über die Gipfel der Bäume,

wie einer Mutter Hand

über Kinderträume.

Mondschein schwebt,

Nebel webt

ihren Traum.

 

 

Abendlied II

 

Wie einer Mutter Hand

über das Haar streicht,

streicht der Wind leise

über die Wipfel der Bäume.

Mondschein legt sich

über die Wiese.

Nebel schwebt

seinen Reigen.

Hörst du den Uhu?

 

 

Abendlied III

 

Der Wind streicht

wie einer Mutter Hand

über den Wald,

über nächtliches Land.

Wipfel der Bäume,

wiegen Träume.

Nebel schwebt,

Mondschein legt

bleiches Licht

über die Welt.

Schatten schweben,

täuschen Leben

vor.

Hörst du den Uhu?

Höre nur zu.

Warte nicht,

erwarte nicht,

dass der Tag

für dich

anbricht.

 

 

Sonnenblume

 

Gespeicherte Wärme,

ohne die du nicht leben kannst

in dieser kalten Welt.

Sinnbild des Lichtes,

ohne das du im Dunkeln tappst.

Hinweis,

dass es mehr gibt,

als das,

was wir sehen.

Sonnenblume,

du erinnerst mich

an die Sonne des Sommers

und trägst sie

in den Herbst und Winter.

Sonnenblume,

Symbol des Lebens,

auch meines Lebens,

vergänglich,

unvergänglich.

 

 

Land der Sonne

 

In dem Land, in dem die Sonne zu Hause ist,

erhebt sie sich früh

und durchglutet den Morgen,

alle Luft, die dich umgibt.

Ihren Odem atmest du ein,

bis er Teil deiner selbst wird,

dich durchdringt, auflöst

und du eins wirst mit ihr.

In dem Land, in dem die Sonne zu Hause ist,

ist der Winter ein Fremder

und in jener Zeit,

in der er anderswo herrschen mag,

blüht der Frühling sein Lied.

Jede Blume spiegelt die Sonne

bis auch diese vergeht,

langsam reifend sich verwandelnd,

aufwachend zur Zeit.

In dem Land, in dem die Sonne zu Hause ist,

leuchtet der Himmel des Nachts,

und die Dunkelheit birgt dich,

lau und erfüllt vom Tage.

Lachen klingt auf,

Musik von fern

und du spürst,

dass du hier

zu Hause sein

könntest.

 

 

Das Land, in dem die Schmetterlinge tanzen

 

Wenn du in das Land kommst,

in dem die Schmetterlinge

voller Glück wieder tanzen,

und in dem selbst alte Bäume

von ihrem eigenen heiteren Lachen beben,

wenn du in das Land kommst,

in dem die Luft

Leichtigkeit atmet

und Licht selbst die Nacht

durchströmt...

Wenn du in das Land kommst...

...ich war in dem Land

und wäre gern Schmetterling geworden,

tanzend im Licht,

und bin doch an den Boden gefesselt,

wie ein Troll der Nacht.

Wenn du in dem Land gewesen bist,

wirst du auch sein Gefangener sein,

wo du auch hingehst.

 

 

Traum

 

schweben im licht

der sonne

wiegen im wind

leicht

unbeschreiblich leicht

wärme und fröhlichkeit

atmen

lachen und heiterkeit

sein

sehnsucht

erfüllt sich

trauer verschwindet

was zählt

der augenblick

und ewigkeit

schwer`los im licht

sein

wiegen im

wind

leicht

ohne ende

bin

voller glück

 

 

Schwingungen

 

Schwebend tanzen,

wie ein Staubkorn in der Sonne,

im goldenen Licht.

Perlende Kaskaden,

donnernde Wasserfälle,

aufschäumende Gischt,

und wieder schwebend tanzend,

wie ein Staubkorn in der Sonne,

einer unter vielen,

sehr vielen.

 

 

Eine Hand voll Wasser

 

Aus dem Schoß der Erde,

den Schleusen des Himmels,

lebensspendendes Wasser.

Schöpfe,

schöpfe genug,

reines Leben,

und bewahre dies Nass,

dass es nicht

zum Todesbringer wird,

vergiftet, verölt, verstrahlt,

trügerische Hoffnung

für Pflanze, Tier und Mensch,

für Dich mein Freund

und für mich.

Schau,

ich reiche Dir

eine Hand voll Wasser -

Leben für uns,

für mich,

für Dich,

für alle.

 

 

Norddeutschland I

 

Flach und eben,

breit und erdverbunden

und die Hände von der Landarbeit zerschunden,

kleine Katen und Kartoffelsuppen,

Speck und Köhm,

und Äpfel in dem Schuppen,

und der Wind pfeift übers leere Feld,

Haine ducken sich,

ein Hofhund bellt.

Und der Himmel scheint unendlich fern.

Zwischen Wolken schimmert nachts ein Stern.

 

 

Norddeutschland II

 

Flach und eben,

breit und erdverbunden

und die Hände von der Landarbeit zerschunden,

kleine Katen und Kartoffelsuppe.

In der Küche steht der Kurzwell'nherd,

Time is money und daher viel wert.

Traktor und Mercedes und Antennenschüssel,

der Computer,

eine neu Generation,

kaum Berührung mit der alten Zeit.

Ach, wir sind so herrlich, herrlich weit.

Speck und Köhm,

verschrumpelt Äpfel in dem Schuppen,

kalter Wind pfeift übers leere Feld,

Haine ducken sich,

ein Hofhund bellt.

Doch der Himmel ist unendlich fern.

Zwischen Wolken schimmert nachts ein Stern

überstrahlt von Energiesparlampen.

Niemand nimmt ihn wahr.

Er ist

vergangne Zeit.

 

 

Asylanten

 

 

Asylanten

 

Von weit hergekommen,

entflohen dem Tod

in das Land der Sattheit,

abgeschoben und gestapelt

in Containern

am hintersten Rand des Ackers,

kontaktlos,

ein Zaun

aus Missachtung

und Frost

trennt.

 

 

Tschernobyl - Jahre danach

 

Tote Vögel sind noch nicht

vom Himmel gefallen,

aber Krebs

frisst sich schweigend

in Kinderkörper.

Ein schleichender Tod

klopft an,

lautlos.

 

 

wegwerfgedichte

 

manche worte sind nur

aus dem augenblick

und sind

für den augenblick

geboren.

wirf sie weg,

sie sind nicht

für die ewigkeit.

zünde den kamin

mit ihnen an

oder wickle

etwas in sie ein,

lass sie dann zu

einwickelgedichten werden,

damit sie dir wenigstens

nützlich sind.

 

 

Leere Blätter

 

Leere Blätter:

wie ein unbeschriebenes Leben.

Was wird sie füllen

in den Tagen,

die vor dir liegen?

Und ist das Leben

zum Schluss gelungen

oder wie eine Seite zersprungen

oder ein beschriebenes Blatt,

für das niemand

Verwendung hat?

Manches Blatt wäre lieber gern

leergeblieben,

unschuldig,

als beschmutzt

und

weggeworfenes,

sinnloses

Leben,

Sinn

los?

 

 

Suchen

 

Wir haben hier keine bleibende Statt, sondern die zukünftige suchen wir.

Die Bibel.

Mein Haus ist nicht mein Haus

und meine Zeit nicht die meine.

Ich suche

Licht und Leben,

Sonne und Wärme,

Frieden und Lachen,

Wahrheit und Sinn.

Ich suche das,

was hinter den Dingen

steht;

ich suche den,

der jenseits der Grenze

wirkt.

Wo soll ich hingehen,

mein Freund?

Zeige mir den Weg

in meiner

Ratlosigkeit.

 

 

Das Leben ist ja nicht nur Schau

 

Refrain

Das Leben ist ja nicht nur Schau,

von außen schön lackiert.

Es hat doch Sinn und Hintersinn,

und manchmal trägt es den Gewinn,

selbst wenn du denkst,

es hat dich angeschmiert.

 

1. Auf einer Party traf ich sie,

um ihren Hals lag Gold.

Sie trug Dior und hatte sich

die Magersucht geholt.

Doch ihre Augen blickten leer,

das Lächeln war nur stumm,

sie stand in lauter Fröhlichkeit

einsam und still herum.

Das Leben ist ja nicht nur Schau,

von außen schön lackiert.

Es hat doch Sinn und Hintersinn,

und manchmal trägt es den Gewinn,

selbst wenn du denkst,

es hat dich angeschmiert.

 

2. Im Supermarkt, da kaufte sie

für wenig Geld viel ein.

Sechs Kinder drängten sich um sie,

die Frau war nie allein.

O mama mia, dachte ich,

mein Gott, was ist die dick.

Doch, als ihr Mann kam, sah ich schon,

er fand sie so ganz schick.

Das Leben ist ja nicht nur Schau,

von außen schön lackiert.

Es hat doch Sinn und Hintersinn,

und manchmal trägt es den Gewinn,

selbst wenn du denkst,

es hat dich angeschmiert.

 

3. Der alte Mann mit Schlapphut stand

sehr lang am Straßenrand,

er schien verwirrt und hatte einen

Krückstock in der Hand.

Der Bart war schon drei Tage alt,

der Rock notdürftig hielt.

Das Leben hat ihm, glaube ich,

gar übel mitgespielt.

Ob Kind, Erwachsner oder Greis,

das Leben ist kein Spiel.

Es hat doch Sinn und Hintersinn,

und manchmal trägt es den Gewinn,

selbst wenn du denkst,

es hat dich angeschmiert.

 

 

tausend jahre einsamkeit

 

tausend jahre

einsamkeit,

für gras und baum und tier

zu viel,

für einen felsen

genug?

und für den menschen,

immer wiederkehrend,

und doch nur gast?

zeit

ist

subjektive

vergänglichkeit.

was sind tage oder jahre?

vergängliches

vergeht und kehrt wieder,

mündet in den strom,

den sie zeit nennen,

und der

doch nur

aus

einsamkeit

besteht.

 

 

Was ist Glück?

 

Was ist Glück?

Ein kleines Stück

des Lebens

und ein Sonnenstrahl,

der sich durch die Wolken stahl,

oder ein Meer, in dem du schwimmst

und doch musst du wieder ans Land,

an den trockenen Strand.

Und blickst du zurück,

so ist Glück

nie Vergangenheit,

und doch gewesen

und kommt

und vergeht

und bleibt

und ist das,

was dich treibt.

 

 

Die Bewohner eines Luftballons

 

Wenn die Bewohner eines Luftballons beschlössen, ihre Welt anzubohren,

wäre es gleichgültig, welche Stelle sie wählten

und ebenso gleichgültig wäre es, ob sie es demokratisch beschlossen hätten oder ob es der Wille eines Diktators wäre.

Das Ergebnis ist immer gleich.

 

 

Treten

 

Wenn die Bewohner eines Erdballes die menschliche Würde mit Füßen treten, sind die Tretenden, die für andere treten, um die Würde zu bewahren, und die, die im Auftrag noch anderer zurücktreten, um die Würde wieder herzustellen, in keiner Weise würdiger,

es sei denn, die Wiedertretenden wollten die zuerst Tretenden am Weitertreten hindern;

darum treten sie ja so heftig, dass sie die zuerst getreten habenden so lange treten, bis diese nicht mehr treten können, oder es nur noch Getretene und Tretende gibt.

Was aber, wenn einer befohlen hat zu treten und die anderen treten aus Gehorsam und die Wiedertretenden treten auch aus Gehorsam?

Heutzutage wird so viel getreten und wiedergetreten, dass fast niemand mehr an die Würde des Menschen glaubt, die doch angeblich vor den Tritten, natürlich der anderen, geschützt werden soll.

Wird treten und wiedertreten dann zum Selbstzweck?

 

 

Wenn ich könnte...

 

Wenn ich könnte,

würde ich die Menschen leiser reden lassen

und sie flüstern lehren.

Laute Parolen verlehren das Hören.

Wenn ich könnte,

würde ich die Menschen liebevoller werden lassen,

damit sie die Welt verwandeln.

Frost tötet.

Wenn ich könnte,

würde ich die Menschen sensibler werden lassen.

Wer den anderen fühlen kann,

kann erst wirklich leben,

für sich und andere.

Vielleicht beginne ich bei mir,

und die anderen lassen sich anstecken?

 

 

Abfallgedichte

 

abfall

gedichte

herabgefallene gedanken

splitter des alltags

glitzernd

wie tautropfen

und diamanten

leuchtend wie perlen

einen augenblick

der papierkorb

steht daneben

besser

sie fallen hinein

ein vogel findet sie

pickt sie auf

und singt sie

als dass sie

zwischen pappdeckeln

verstauben.

 

 

Und das nicht nur zur Weihnachtszeit

 

 

Bethlehem

 

Eine Wanderarbeiterfamilie -

Unterkunft wird verweigert,

bis sie im Stall

Unterschlupf findet

um ein Kind

zu gebären.

Hirten,

Asoziale,

kommen

und die Weisen,

Ausländer.

Kamen auch Leute

aus Bethlehem?

Oder dachten sie nur:

Hergelaufenes Pack.

Sollen die doch bleiben,

wo sie hergekommen sind.

 

Gott

wird

im Ärmsten

Mensch.

Damals -

heute -

immer.

 

 

Weihnachten 1991

 

Warschau/Bonn:

Völkerwanderung -

nicht zur Volkszählung,

sondern

um nicht zu verhungern.

Bethlehem:

Ein Kind wurde damals geboren,

heute werden hunderttausende

abgetrieben.

Zagreb:

Hunderttausende suchen eine Herberge,

die Grenzen bleiben ihnen

verschlossen.

Manila:

Statt der Botschaft der Engel

ist ein Vulkan ausgebrochen.

Leipzig:

Asylanten, die von weit herkamen,

sind

nicht willkommen,

die Weisen aus dem Morgenland.

New York:

Damals mögen die Hirten, die Gäste, Brot

mitgebracht haben,

heute vernichten wir Lebensmittel,

um die Preise nicht zu verderben.

Stuttgart:

Der Stern von Bethlehem scheint heute nicht über einer Hütte.

Der beste Stern steht in der Garage des Generaldirektors.

 

 

Weihnachten ist überall

 

Weihnachten ist überall:

Wo Menschen auf der Suche

nach einer Bleibe sind.

Wo ein Kind geboren wird

und Eltern sich freuen.

Wo die Armut wohnt

und das wenige mit Dank gegessen wird.

Wo Herrscher mit ihren Soldaten Leben auslöschen,

und doch ein Kind gerettet wird.

Wo Verbitterten Freude ins Herz kehrt,

auch ohne sichtbare Engel.

Weihnachten ist überall.

 

 

Die andere Seite von Weihnachten

 

Die andere Seite von Weihnachten

ist für viele Suche nach einer Bleibe

- statt einer Vierzimmerwohnung mit

Mietvertrag;

sind Hunger und Müdigkeit für Millionen

- nicht der volle Kühlschrank und ein Bett;

sind Blasen an den Füßen und Bangen um die Geburt

- statt eines Abends im Fernsehsessel;

ist aufkeimende und wachsende Verzweiflung

- statt Leise rieselt der Schnee;

sind Engel, die Hoffnung geben, obwohl sich äußerlich nichts ändert,

- statt einer Talkshow, in der Engel mit

Flügeln leeres Stroh dreschen.

Die andere Seite von Weihnachten

ist die richtige.

 

 

Maria hat ein Kind geboren

 

Maria hat ein Kind geboren

in den Slums von Rio.

Sie war keine Jungfrau mehr,

und den Vater hat es nicht mehr gekannt.

 

Maria hat ein Kind geboren

in einer Wellblechhütte,

nicht einmal der eigenen,

weil sie obdachlos ist.

 

Maria hat ein Kind geboren,

Wer bringt ihr Brot und ein Fell,

wer geht zu den Hirten und sagt ihnen,

dass sie das Kind besuchen sollen?

 

Maria hat den Sohn geboren,

damit er verhungert oder erschossen wird,

oder wenn er überlebt, wieder Kinder zeugt,

dass der Kreislauf des Elends sich weiterdreht.

 

Maria hat ein Kind geboren:

Wozu?

 

 

O Tannenbaum, o Tannenbaum

 

O Tannenbaum, o Tannenbaum,

wie grün sind deine Blätter.

Sie sind aus Kunststoff, nadeln nicht

und tragen helles Neonlicht

O Tannenbaum, o Tannenbaum,

wie grün sind deine Blätter.

O Tannenbaum, o Tannenbaum,

dein Vorbild stand im Walde

und wurd vergiftet, ist jetzt tot,

nun hat ein End des Waldes Not.

O Tannenbaum, o Tannenbaum,

dein Vorbild stand im Walde

O Tannenbaum, o Tannenbaum,

wir haben viel vergessen.

der, der gebor'n an diesem Fest

dem geben wir getrost den Rest.

O Tannenbaum, o Tannenbaum,

wir haben viel vergessen.

 

 

Herr Winter, Herr Winter

 

 

Herr Winter, Herr Winter,

was tust du mir so weh,

du kommst mit Frost und Kälte her,

mit Stürmen, Eis und Schnee.

Herr Winter, Herr Winter,

die Sonne floh vor dir

nach Süden, in die ferne Welt

dort fand sie ihr Revier.

Herr Winter, Herr Winter,

die Blumen und das Grün,

sie ließen mich allein zurück.

Wann willst du endlich ziehn.

Herr Winter, Herr Winter,

genügt denn als Ersatz

was du uns bringst: den Glühwein und

das Schilpen von dem Spatz?

 

 

 

 

Mitgebracht

 

Die Texte dieses Abschnittes stammen aus einem Literatentreffen im Sommer 1992 in der Ev. Akademie Iserlohn

 

Geschichte zu Worten:

Fernsehmoderator-bildhauen-Akne-Flucht

 

Die Entscheidung

 

Dieses kleine, schmutzige, halb lachende, halb weinende, magere Gesicht ging ihm nicht aus dem Kopf, kreiste den ganzen Abend und die halbe Nacht in seinem Gehirn.

Sie hatte am Kai gehockt und spielte mit Muscheln - oder waren es Holzstückchen?

Er wusste es nicht mehr.

Er erinnerte sich nur noch an ihr Gesicht, ihre schwarzen Haare und an ihre großen, dunklen Augen.

Am nächsten Tag sah er sie wieder, an derselben Stelle, neben dem alten Kahn:

eine kleine Gestalt.

War sie 6 oder 10 Jahre oder älter?

Das Gesicht war nicht sauberer geworden. Die Augen noch genau so groß.

Er blieb stehen und sah näher hin.

Unter dem Schmutz ein leicht gerötetes Gesicht: Allergie, dachte er, oder Akne?

barfuß, das blaurote Kleid fleckig, zerschlissen

und dann wieder die Augen, große, dunkle Augen, halb lachend, halb weinend.

Wenn ich Maler wäre, dachte er oder Bildhauer, dann könnte ich sie mitnehmen, in Öl oder als Plastik.

Er sah sie immer noch an.

Diese Augen, dachte der, diese großen Augen.

Wenn... aber ich bin kein Maler - und Bildhauer, das ist schon lange her, fast eine Ewigkeit, wie ein anderes Leben.

Und ich habe meinen Beruf, meine Termine, meine Sendungen.

Verflixt, dachte er.

Zuerst war es nur ein flüchtiger Gedanke -

Wenn ich hier bliebe, einfach aussteigen würde,

vielleicht - als Bildhauer, wie früher...

Die nächste Sendung könnte ein anderer machen.

Auch ein Fernsehmoderator kann krank werden - sich vertreten lassen - ersetzt werden.

Aber es wäre Flucht, Flucht aus der relativen Sicherheit einer mehr oder weniger bürgerlichen Welt.

Aussteigen - standhalten,

alles beim Alten lassen - oder neu anfangen?

Das Mädchen spielte weiter.

Er sah auf sie herab, nahm sie ganz in sich auf: ihr Aussehen, ihre Bewegung.

Dann gab er sich einen Ruck.

Er hörte wieder die Möwen und das Rauschen des Meeres und spürte die salzige Luft.

Er wusste, was er tun würde.

Übungen zu einem Gedicht von Helga Novak

 

 

Lehrjahre sind ein Leben lang

 

Als Achtjährigen

hat mich mein Vaterland gelehrt,

die Deutschen als die besten Menschen anzusehen

und die anderen zu verachten.

 

Als Zehnjährigen

haben mich meine Eltern gelehrt,

wieder neu anzufangen

und trotzdem zu lachen.

 

Als Dreizehnjährigen

hat mich mein Mathelehrer gelehrt,

dass Quadratwurzeln nicht im Garten wachsen

und dass der Mensch nach Zensuren beurteilt wird.

 

Als Fünfzehnjährigen

hat meine Erfahrung mich gelehrt,

dass Verliebtsein so seine Tücken hat

und dass Liebeskummer drückt.

 

Als Achtzehnjährigen

hat mich mein Körper gelehrt,

dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind

und nur Leistung zählt.

 

Als Dreißigjährigen

hat mich mein Kopf gelehrt,

dass alles machbar ist

und dass es ständig bergauf geht.

 

Als Vierzigjährigen

haben mich meine Ohren gelehrt,

wie groß das Leid anderer sein kann

und wie mancher es hinter einer Maske versteckt.

 

Als Fünfzigjährigen

haben mich meine Augen gelehrt,

wie verletzbar die Natur ist und wie wenig wir sie achten.

 

Als Fünfundfünfzigjährigen

hat mich mein Herz gelehrt, wie verletzbar ich selbst bin

und wie weit der Weg zur Weisheit ist.

 

 

Nach einer Zeitungsnotiz

 

Einsteins Baby

 

Mathematik war eigentlich nie meine Stärke, aber wenn ich heute geboren wäre und dazu noch in unserem Adam-Riese-Krankenhaus, würde ich bestimmt ein neuer Einstein werden oder vielleicht sogar ein Zweistein.

Warum?

Nun, ganz einfach, denn alle Babies, die in diesem Adam-Riese-Krankenhaus zur Welt kamen, haben sich bereits im Alter von rund 5 Monaten als zukünftige mathematische Genies entpuppt.

Das jedenfalls hat Siegmund Freundlich (der Name ist aus datenschutzrechtlichen Gründen geändert worden) festgestellt.

Irgendwie musste es mit dem sauren Regen und bzw. oder mit dem Namen des Krankenhauses zusammenhängen.

Als der Psychologe S.F. nämlich seine Forschungen mit Frühgeburten begann, die natürlich länger im Krankenhaus lagen als andere Babies, war eine Periode schlechten Wetters angebrochen und das Vordach der Klinik war seit langem nicht mehr regendicht und demzufolge reparaturbedürftig - kein Wunder bei den Finanzen unserer Stadt.

S.F. stellte nun in längeren Versuchsreihen fest, dass alle Babies, die hier entbunden wurden, im Alter von 4,5 bis 5,1 Monaten einen deutlichen mathematischen Entwicklungssprung machten.

Sie konnten mit Wurzeln *) rechnen und schrieen bei einer Mahlzeit und hörten erst nach der dritten Flasche auf, woraus S.F. die große Begabung ableitete, weil die Babies eben den Unterschied von eins und drei feststellen konnten. Des weiteren stellte er auffallende Fingerbewegungen fest, die auf das Zählen hinwiesen.

Ausnahmen schien es nur bei den Babies zu geben, deren Mütter bei Sonnenschein eingeliefert wurden bzw. bei geringer Luftfeuchtigkeit, wie das Hydrographische Institut der Stadt aus seinen Unterlagen bestätigte.

Ein ähnliches Ergebnis ergab sich auch bei den normalgeboren Babies, die bereits zu Hause waren, mit den gleichen Ausnahmen.

Bei älteren Babies waren diese Eigenschaften nicht so ausgeprägt, was daran lag, so S.F., dass das Vordach des Krankenhauses damals noch regendicht war.

Im Laufe der Zeit dehnte S.F. seine Untersu-

chungen auf andere Kliniken aus.

Hierbei stellte er fest, dass die Luftfeuchtigkeit einen erheblichen Einfluss auf die Intelligenzsteigerung hatte, die sich aber von Krankenhaus zu Krankenhaus anders äußerte.

Im Richard-Wagner-Krankenhaus der Nachbarstadt stellt der Psychologe fest, dass die Babies hier außergewöhnlich stimmgewaltig waren, was nicht, so S.F., mit der Schwerhörigkeit und der lauten Stimme der Stationsschwester zusammenhängen sollte und im Walter-Gropius-Hospital spielten die Babies außergewöhnlich gut mit Bauklötzen.

Weitere Forschungen ergaben, dass die Eingangshallen mit den Bildern der Namenspatrone neben der erhöhten Luftfeuchtigkeit maßgebend bei dem festgestellten Intelligenszschub beteiligt sein mussten.

Exakte Untersuchungen dazu stehen aber noch aus.

Wie man hört, soll für S.F. bereits ein Lehrstuhl an der Universität Bonn bereitstehen, um "das Verhältnis von Luftfeuchtigkeit, Namen des Krankenhauses, der Gestaltung der Eingangshalle und der Intelligenz von Babies

 

in Bezug auf die Volkswirtschaft" zu erforschen.

Vom Deutschen Städtetag soll er bereits die Münchhausenmedaille in Gold sowie einen namhaften Geldpreis in geheimer Sitzung er halten haben, weil sich nun die Reparatur von schadhaften Vordächern erübrigt.

Und vom Bundesgesundheits- und anderen Ministerien ist eine interministerielle Arbeitsgruppe eingesetzt worden, die die Umbenennung von Krankenhäusern und Entbin- dungsheimen prüft.

Wie aus gutunterrichteter Quelle zu erfahren ist, tauchen die Namen "von Blücher" und "Hindenburg" auf, Soldaten braucht man immer.

Und das Richard-Wagner-Krankenhaus soll demnächst ein Meier oder Schmidt-Krankenhaus werden, weil man im Bonner Innenministerium meint, dass bloße Untertanen, d.h. Steuerzahler wichtiger seien als zu viele Sänger, die ihre eigene Stimme erheben.*)Wurzel = vulgär Möhre

 

 

Ballade zu einer Zeitungsnotiz

 

In unsrer Stadt

 

Refr.:

In unsrer Stadt in Rimini

ist selten etwas los.

Wenn das passiert, was gar nicht gut,

dann hört man bloß:

dass der Bürgermeister sagt

wenn der Stadtrat tagt:

"Meine Damen und Herren,

nur keine Aufregung.

Ruhe ist des Bürgers erste Pflicht.

Bloße Panikmache nützt da nicht."

 

1. Und dann kamen ein paar Männer

mit dem weißen Pulver an.

Und sie gingen zum Schulhof

und sagten dann:

"Hey, wir haben hier das Mittel

gegen Übel dieser Welt,

gegen Schule, gegen Frust,

für nur sehr, sehr wenig Geld."

Sie verkauften, was sie hatten

allen Kindern, wie's gefällt,

und sie kamen immer wieder

und sie machten sehr viel Geld.

 

Refr.: In unsrer Stadt in Rimini...

 

2. Und sie zog'n zum Gold'nen Adler

in die Fürstenzimmer ein.

Und als Polizisten kamen

ließen sie sie zu sich rein.

"Hey, wir haben hier das Mittel

gegen Übel dieser Welt,

gegen alle Vorgesetzten,

für nur sehr, sehr wenig Geld."

Sie bestachen mit dem Pulver

diese Männer, wie's gefällt,

denn sie hatten selber Sorgen

und selbst viel zu wenig Geld.

 

Refr.: In unsrer Stadt in Rimini...

 

3. Und so kauften sie die Kinder,

Polizei und Staatsanwalt,

bis sie selbst die Herrn der Stadt war'n

und dann wurde niemand alt.

"Hey, wir haben hier das Mittel

gegen Sorgen in der Welt,

wozu wollt ihr etwas ändern

nehmt, genießt für wenig Geld."

Sie verkauften dann ihr Pulver,

bis dann alles ruhig blieb.

selbst der Stadtrat wurd' abhängig

und das war den Männern lieb.

 

Refr.: In unsrer Stadt in Rimini...

 

4.Eines Tages lag im Hotel

eine Kapsel mit Uran.

Warum nicht damit auch handeln,

schließlich braucht sie mancher Mann.

"Hey, wir haben hier das Mittel

gegen Feinde aller Art,

Wenn ihr's jetzt kauft, habt ihr sicher

manche Unruhe gespart."

Sie verkauften und sie kauften

Rauschgift, Uran und noch mehr,

denn sie sind jetzt uns're Herren

Fremde haben's hier sehr schwer.

 

Refr.: In unsrer Stadt in Rimini...

 

 

Wie der Regen rinnt

 

 

Als Gott der Herr

 

Als Gott der Herr die Welt erschuf,

da war sie wüst und leer.

Und finster war es überall,

gab weder Land noch Meer.

 

Und Gott er sprach: Es werde Licht.

Er machte Tag und Nacht.

Und wenn es auch mal dunkel wird,

er ist es, der da wacht.

 

Am zweiten Tage dachte Gott:

Ein Himmel wäre schön.

So schuf er Erd und Himmelszelt.

Es sollt noch weiter geh´n.

 

Darauf hat er das Meer und Land

und Berg und Fluss gebaut.

Und alle Bäume und das Gras

und sogar das Unkraut.

 

Am vierten Tage Mond und Stern

und selbst das Sonnenlicht.

Er schenkte ihre Wärme uns,

vergaß die Liebe nicht.

 

Am fünften Tage Wal und Fisch

und dann die Vogelwelt,

sie zwitschern froh den ganzen Tag,

so wie es uns gefällt.

 

Am sechsten hatt' er viel zu tun,

die Tiere kamen dran.

Am Nachmittag, da machte er

die Frau und auch den Mann.

 

Er sprach zu beiden: Diese Welt,

ich gebe sie euch nun.

Erhaltet sie und lebt in ihr.

Ihr habt dort viel zu tun.

 

Am letzten Tage ruhte er

von aller Arbeit gleich.

Es ist sein Tag, er segnet ihn,

und er beschenkt uns reich.

 

 

Als Gott der Herr II

 

Als Gott der Herr die Erde schuf,

da war sie öd und leer.

Er sprach ein Wort, da teilte sich

die Erde und das Meer.

 

Er machte für uns Berg und Tal,

die Pflanze und das Tier.

Es war vollkommen, was er schuf,

gab alles mir und dir.

 

Er knetet Menschen aus der Erd,

haucht ihnen Leben ein,

und sagt: "Ihr beide, Mann und Frau,

sollt meine Kinder sein."

 

Er sprach zu ihnen: "Diese Welt,

ich gebe sie euch nun.

Erhaltet sie und lebt in ihr.

Ihr habt dort viel zu tun."

 

 

Blick auf die Erde

 

Blick auf die Erde:

er hat sie uns geschenkt,

um hier zu leben.

Er hält diese Welt.

Wir sind die Seinen,

er hat sich uns ausgewählt,

wir sind die Seinen,

er verlässt uns nicht.

 

Schau in den Himmel,

über uns ausgespannt.

Mond, Sonne, Sterne,

schau, sie leuchten uns.

Wir sind die Seinen,

er hat sich uns ausgewählt,

wir sind die Seinen,

er verlässt uns nicht.

 

Sieh auf die Menschen:

jeder ist Gottes Kind,

Große und Kleine,

Schwestern, Brüder sind.

Wir sind die Seinen,

er hat sich uns ausgewählt,

wir sind die Seinen,

er verlässt uns nicht.

 

Fühl in dem Herzen:

Gottes Licht ist in dir.

Du kannst es spüren,

du bist nie allein.

Wir sind die Seinen,

er hat sich uns ausgewählt,

wir sind die Seinen,

er verlässt uns nicht.

 

 

Wie der Regen rinnt

 

Siehst du, wie der Regen rinnt?

Regen, der rinnt,

durchweicht die Starre

so vieler Jahre.

Regen, Regen, der rinnt.

 

Ahnst du, wie die Sehnsucht schwebt,

Tief in dem Herz?

Sehnen nach Frieden

ist uns geblieben.

Sehnsucht, Sehnsucht, die schwebt.

 

Fühlst du, wie die Liebe blüht,

mächtig und stark?

Durchzieht das Leben,

will es dir geben.

Liebe, Liebe die blüht.

 

Spürst du unsre Sonne auch?

Sonne, die scheint,

lässt Blumen blühen,

alles fortziehen.

Sonne, Sonne die scheint

 

 

Osterlied I

 

1. │:Christus, der Herr ist auferstanden. Halleluja. Halleluja:│

Einst war die Welt erstarrt,

der Tod blieb Sieger.

Wir alle sangen nur

die alten Lieder.

Christus, der Herr ist auferstanden. Halleluja. Halleluja.

 

2. │:Christus, der Herr ist auferstanden. Halleluja. Halleluja:│

Ostern gab Gottes Hand

uns neues Hoffen.

Der Tod verlor die Macht,

das Grab ist offen.

Christus, der Herr ist auferstanden. Halleluja. Halleluja.

 

3.│:Christus, der Herr ist auferstanden. Halleluja. Halleluja:│

Er nimmt das fort,

was trennt, schenkt Licht und Leben.

Du bist für immer sein.

Er will dir's geben.

Christus, der Herr ist auferstanden. Halleluja. Halleluja.

 

4.│:Christus, der Herr ist auferstanden. Halleluja. Halleluja:│

Er öffnet uns das Tor

zu Ewigkeiten.

Er lässt uns nie allein,

wird uns begleiten.

Christus, der Herr ist auferstanden. Halleluja. Halleluja.

 

 

Osterlied II

 

Du steigst aus dem Grab, Herr Jesus Christ.

Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort.

Du zeigst, dass du der Sieger bist:

das Leben ist stärker und dauert fort.

Christus ist auferstanden. Halleluja!

 

Du bist unser Licht, Herr Jesus Christ

und leuchtest in unser Leben hinein.

Die Dunkelheit bleibt nur kurze Frist,

denn du willst jetzt unsere Sonne sein.

Christus ist auferstanden. Halleluja!

 

Du bist unsre Hoffnung, Herr Jesus Christ,

wenn Not und Zweifel uns niedrig hält.

Ich weiß, dass dies das Letzte nicht ist:

du führst uns hinüber in jene Welt.

Christ ist auferstanden. Halleluja!

 

Du schenkst deine Liebe, Herr Jesus Christ.

Sie hält und trägt uns in Ewigkeit.

Und deine Gnade nie Mängel misst,

sie öffnet die Herzen und macht sie weit.

Christ ist erstanden. Halleluja.

 

 

Ein Funken der Ewigkeit

 

Ein Funken der Ewigkeit,

der in die Seele gefallen ist,

genügt,

zu erkennen,

dass

GOTT

Liebe ist.

vielleicht merken wir es nicht,

weil wir die Augen der Seele verschließen.

 

 

Hinter allem ER

 

Wenn hinter allem

ER

ist

und in allem

ER

ist

und trotz allem

ER

ist,

bist du nie allein.

 

 

Ich habe einen Bruder

 

Ich habe einen Bruder,

der mit mir redet,

der für mich spricht,

der zu mir hält.

Reicht das nicht aus?

 

Ich habe einen Freund,

der mit mir fühlt,

der für mich da ist.

der an mich denkt,

Reicht das nicht aus?

 

Ich habe einen Gott,

der Liebe schenkt,

die mich erfüllt

und dich, uns alle.

Reicht das nicht aus?

 

 

Abstreifen

 

Abstreifen,

was ist,

was war,

was du bist,

was du angeblich darstellst,

bis du unbekleidet bist

und du deine Seele

hinter aller Verkleidung

in der Tiefe findest.-

Dann lichtet sich der Nebel,

die Sonne bahnt sich den Weg zu dir,

ein neuer Tag bricht an

und bekleidet dich neu.

 

 

Was war am Anfang?

 

Was war am Anfang,

vor allem Anfang

und Beginn der Zeit,

nein,

bevor es Zeit und Raum

überhaupt gab?

Der Gedanke?

Wer dachte ihn?

Und wer war, der dachte?

Ich glaube,

am Anfang war

nichts als die Liebe,

die alles und Nichts

durchfloss,

bevor es war,

die Gestalt gewonnen,

zu Zeit und Raum wurde,

zu Geist und Materie,

alles schuf,

was ist.

Dich und mich.

Wer mir das sagte?

Sie selbst,

die mich erschuf,

ließ es mich ahnen.

 

 

Ich seh´ noch nicht

 

Ich seh´ noch nicht den Sinn.

Herr, was Du schickst,

ist schwer zu tragen.

Doch bitt' ich Dich,

lass es nicht bei dem Klagen

bewendet sein.

Lass uns nur etwas, Herr, von Deiner Fülle

des Lichts und deiner Liebe fließen

in unser Herz und Sinn, in unseren Geist,

dass dies den Weg, in aller Dunkelheit,

uns weiterweist,

den Weg, den jenseits aller Fragen

wir gehen können,

auf dem wir,

das, was Du schickst,

ertragen.

 

 

Tauschen

 

Wir fragen warum und bedenken nicht,

dass hinter den Dingen ein andrer steht,

dessen Uhr anders geht

und der das Ende sieht, das uns verborgen

hinter unseren Nöten und unseren Sorgen.

Könnten wir nur in uns und auf ihn lauschen,

würden wir Sorgen und Nöte

gegen Glück und Erfüllung tauschen.

 

 

Du und ich

 

Du und ich, wir sind Gottes Kinder,

du und ich, wir sind niemals allein.

Wenn ich mich einmal einsam fühl,

denk ich, was mir gefällt:

dass ich so viel Geschwister hab

in unsrer großen Welt.

 

Du und ich, wir sind Gottes Kinder,

du und ich, wir sind niemals allein.

Wenn ich bei vielen Menschen bin,

wo es auch immer sei,

dann sehen mich Geschwister an

und ich bin mit dabei.

 

Du und ich, wir sind Gottes Kinder,

du und ich, wir sind niemals allein.

Ob dick, ob dünn, ob schwarz ob weiß,

ob jung oder ob alt,

was du geschaffen, seh´ ich hier,

Vater, die Welt erhalt.

 

Du und ich, wir sind Gottes Kinder,

du und ich, wir sind niemals allein.

Selbst wenn es einmal dunkel ist

im Herz und in der Welt,

dann bist du da, der bei mir ist,

der meine Hände hält.

Du und ich, wir sind Gottes Kinder,

du und ich, wir sind niemals allein.

 

 

Schwestern, Brüder

 

Schwestern, Brüder aller Länder:

Gott gießt seinen Friedensgeist

aus auf seine vielen Kinder,

der den Weg zur Zukunft weist.

Früher sind wir fremd gewesen,

Grenzen voller Hass und Neid,

doch von seinem Geist getrieben

zieh´n wir an das Friedenskleid.

 

Schwestern, Brüder aller Länder:

lasst uns teilen, was wir sind,

die Gedanken und die Träume,

Wünsche sind nicht mehr wie Wind.

Lasst uns leben, lasst uns feiern,

lasst uns doch Geschwister sein,

denn wir haben einen Vater,

er ist meiner, er ist dein.

 

Schwestern, Brüder, öffnet Fäuste,

die geballt in alter Zeit,

reicht die Hände über Grenzen

macht die Herzen groß und weit.

Alte Zeiten sind vergangen,

Gottes Geist bringt Lebenskraft.

Du und ich, wir sind Geschwister,

das ist, was er für uns schafft.

 

 

Einmal...

 

Einmal

werden die Wunden heilen

und die Narben in Schönheit erstrahlen.

 

Einmal

werden die Schmerzen einschlafen

und die Erinnerung an das Leid verblassen.

 

Einmal

wird die Sehnsucht ihre Erfüllung finden.

 

Einmal

werden meiner Seele die Flügel wachsen,

und wie ein Vogel wird sie zum Licht fliegen,

hin zu dir, Vater,

aus der Gefangenschaft zur Freiheit,

aus der Begrenztheit zur Grenzenlosigkeit,

aus der Vorläufigkeit zur Ewigkeit,

aus dem Leben in die Liebe.

 

Einmal wird es sein.

Bald?